Kirche am Meer – Die sieben Sakramente

WV-Nr.:   343
Jahr:   1971
Art:   Bleiglasfenster
Ausführung:   Antikglas, Gold-Glasmosaik
Zusatzinfo:   zehn Fenster
Format:   115 x 225 cm (B x H)
Zustand:   erhalten | Original

Signatur:   ohne Signatur
Werkort:   Kirche St. Stephanus
Kirchenschiff, Nord- und Südseite
An der Allee 21
23747 Dahme (Ostsee)
Zugänglichkeit:   Die Kirche ist außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen
Kirche am Meer – Die sieben Sakramente - Bleiglasfenster
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Ruth und Theo M. Landmann Archiv e.V., Annette Potthoff

+ Anmerkung
Die St. Stephanus Kirche wurde 1970/71 abgerissen und neu gebaut. Die Fenster der alten Kirche aus dem Jahr 1964 wurden in die Fenster der neuen Kirche einkomponiert. (siehe WV-Nr.: 320, 321 )
Fenster 1: Die Beichte
Fenster 2: Die Krankensalbung
Fenster 3: Das Wasser
Fenster 4: Die Weihe
Fenster 5: Die Ehe
Fenster 6: Das Wasser
Fenster 7: Die Eucharistie
Fenster 8: Die Firmung
Fenster 9: Die Taufe
Fenster 10: Das Wasser
+ Eigentümer
Katholische Kirche Neustadt i. H., Neustadt in Holstein
+ Werktext
Unbenanntes Dokument

Die Sakramentsfenster in der Pfarrkirche des Ostseebades Dahme
(aus einem Brief an die Kirchengemeinde von Theo M. Landmann, 1964)

Die symbolische Darstellung der sieben Sakramente sollte nach Möglichkeit Zeichen erhalten, die besonders für die Meeres- und Küstengegenden charakteristisch sind. Das ist, soweit es sich durchführen ließ, auch durchgeführt worden.

1. Die Taufe
Im Mittelpunkt dieses Fensters steht das Symbol des Heiligen Geistes: die Taube. Sie stößt auf die bewegten, wellenförmigen hellen Wasser herab. Sie kommt aus der Liebe des Vaters (die roten Gläser deuten dies an), gesandt vom Sohn (symbolisiert durch die von oben nach unten sich bewegenden wellenförmigen Bleisprossen). Ich habe hier absichtlich die üblichen Symbole von Dreieck und Kreuz vermieden und glaube, da es sich bei der Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit grundsätzlich um eine »gegenstandslose« (oder besser: nicht gegenständlich darstellbare) Aussage handelt, sie am überzeitlichsten gelöst zu haben, wenn man sie so »abstrakt« wie möglich darstellt.
Wir werden auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist getauft und darum ist in einem Taufsymbol mit der Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit der Mittelpunkt dieses Sakraments symbolisiert. Und wir werden mit Wasser getauft und darum ziehen sich die Wellenlinien quer durch die Komposition; Symbol des Taufwassers.

2. Die Firmung
Die Legende vom Hl. Augustinus ist bekannt. Er geht am Ufer des Meeres und sieht einen Knaben, der mit einer Muschel das Meer in eine kleine Kuhle auszuschöpfen versucht. Und nun wird der Hl. Augustinus, der über die Unendlichkeit Gottes nachdachte, durch den Knaben belehrt, dass die Größe Gottes unbegreifbar und unausschöpflich ist für den Menschen, selbst wenn über ihn die ganze Fülle und gnadenhafte Erleuchtung des Heiligen Geistes kommt. Diese Fülle ist der Pfingstgeist der Firmung, der sich in seinen siebenfachen Gaben – in sieben goldenen Flammen – auf die offene Muschelschale niederlässt. Auch hier ist das Rot die begleitende Symbolfarbe, die in der Muschel am stärksten aufleuchtet.

3. Die Hl. Eucharistie
Das Fischsymbol ist das uralte Christus-Symbol. Darum wird auch hier Christus durch den großen Fisch symbolisiert, zu dem die kleinen Fische, die Christen (z. B. ganz sinnfällig die Dahmer Gemeinde) hinstrebt, um Ihn zu empfangen, um durch Ihn zu leben. Wir leben mit Christus in dem großen Meer des Christentums. Darum die kreisenden Wellenbewegungen, aus denen sich andeutungsweise die Form eines Kelches löst. Der Kelch ist das Gefäß, in dem sich nicht nur das Mysterium der Wandlung vollzieht, sondern auch ein anderes: aus ihm schenkt sich die Gottesgnade den Menschen. In die Dunkelheit der Welt (schwarzgraue Farbwerte im Symbolfenster) fließt die Liebe Gottes (Gold und Rot) im Sakrament der Heiligen Eucharistie.

4. Die Buße
Sie ist Befreiung aus der Verstrickung in Sünde. Sie ist Anker und Rettung aus Sturm und Not in seelischer Bedrängnis. Darum ist als Symbol für dieses Sakrament der Anker und der in die blaue Flut des aufgewühlten Meeres tauchende Rettungsring gewählt. Violett ist die Farbe der Buße. Wie starke, gestraffte Taue spannen sich die Bleilinien in der Komposition des Fensters aus den bewegten Formen von Anker, Rettungsring und Wellen nach oben: Buße ist Rettung und sichere Freiheit.

5. Die Ölung
Man nennt sie heute nicht mehr »die letzte«, sondern das Sakrament der Kranken. Sie schenkt, wenn die Fluten des Lebens mehr und mehr steigen und die letzten Gipfel zu überspülen beginnen, Ruhe und Sicherheit, schenkt Frieden, sie bringt den Menschen, seine Seele, seinen Geist, sicher ans jenseitige Ufer der Ewigkeit, über dem die Taube nicht endenden Gottesfriedens schwebt. Wie könnte da für das Sakrament der Krankenölung ein besseres Symbol gefunden werden als die Arche, die auf den ruhigen Wassern schwimmt und über ihr die Friedenstaube mit dem Ölzweig. Die Ölung ist mehr als alle anderen Sakramente ein Sakrament des Friedens, ein »Ruhen in Gottes Hand«, und deshalb in eine möglichst undynamische, geschlossene Form gebracht.

6. Die Priesterweihe
Oft versucht man das Symbol des Sakramentes der Priesterweihe in additiver Form, z. B. durch Kelch, Stola und Buch als Zeichen des Priester-, Hirten- und Lehramtes darzustellen. Das kann man tun. Ist aber nicht das Symbol (jegliches Symbol) eigentlich mehr eine Aussage aus dem Kern, aus dem Mittelpunkt des symbolisch Gemeinten; mehr als das Aufzählen der einzelnen Ämter? Ist es nicht wie das Wappenschild einer geistigen Haltung; konzentrierte Aussage? – Das wurde im Symbol des Priesterweihesakramentes versucht. Wie ein Wappenschild ist es zwischen die »Antennen« eines angedeuteten Kreuzes gespannt, das von den Ätherwellen der Gegenwart, der Zeit – des Lebens also – berührt wird. Und diese Wellen setzen sich in der unteren Spitze des Wappens fort. Und darüber ist es das Zeichen des Petrus, der in einem, goldenen Netz für den Herrgott seine Fische fängt – die Menschen. »Menschenfischer sollst du werden« in seiner reinsten und edelsten Form, das ist die Aufgabe des durch das Sakrament zum Priester gesalbten. Und das soll dieses Symbol aussagen.

7. Die Ehe
Dieses Sakrament spenden sich die Eheleute selbst, um gleichsam im gleichen Schiff durch den Ozean des Lebens zu fahren. Darum die Schiffsform mit den zwei verschlungenen Ringen. Dahinter der Mast mit dem windgeschwellten Segel, das bedeutet, eine geistig, göttliche Kraft steht dahinter, die führt und leitet. Die Ehe ist aber auch nach den Einsetzungsworten gleichzeitig Symbol für die Einheit von Christus mit seiner Kirche. Darum ist der Schiffsmast kreuzförmig und das Segel ist in zwei Farben geteilt, ein Weiß und ein tiefes, ins Violett spielende Rot: Christus und seine Kirche – Mann und Frau. Ihr Ziel, der Himmel, ist bekannt, aber ihr Weg nicht, doch dieser liegt im hoffnungsvollen Vertrauen auf den Geist des Vaters. Dieses hoffnungsvolle Vertrauen sagen die grünen Werte des Symbols aus.

Das sind die hauptsächlichsten Gedanken, die mich beim Entwurf der Symbole beschäftigt haben. Sie waren nicht alle von vorne herein da und legten die Komposition fest. Sie wuchsen vielmehr mit den Entwürfen und halfen, ihre Form zu finden und lebendig zu gestalten.

Ebenso war es mit den acht anderen Fenstern. Ob man sie als einfaches Ornament auf der gleichen zeichnerischen Grundlage deutet oder in ihnen abstrakte Kompositionen sieht, scheint mir unwichtig zu sein. Sie sind genau wie die Sakramentssymbole aus der Vorstellung und Forderung einer »Kirche am Meer« entstanden.
Die Wellen mögen an das Wasser erinnern, das dunklere und hellere Blau und Blaugrün an die Farben des Meeres und des weiten Himmels über ihm. Die weißen und hellgrauen, teils aufgelockerten Formen sind durch ziehende Wolken und in der Luft spielende Möwen angeregt worden. Die zusammengefassten dunklen Teile mögen vielleicht an einen Schiffsbug im Wasser erinnern. Manche Bleiruten schwingen sich wie ein Mast oder wie im Winde sich blähende Segel. Alles das ist aber nicht bewusst »versteckt da«, in ein rätselhaftes Zeichen gebannt; es ist wie der Zauber der Meeresküste, die sich wie von selbst so niederschrieb in den Schriftzeichen unserer Tage.